Nenn es beim Namen! Schluss mit Euphemismen rund um die Periode
Erinnerst du dich noch an deine Schulzeit? Du stehst mit deinen Freundinnen auf dem Schulflur, willst sagen, dass du deine Tage hast – und weißt nicht so richtig, wie. Am Ende sagst du, halb im Scherz, halb im Ernst, dass du gerade deine „Erdbeerwoche“ hast, oder du wiederholst einfach den Satz aus einer Werbung und sagst, du hättest „deine Tage“. Im Sportunterricht hast du wahrscheinlich auch nicht gesagt, dass du deine Periode hast, sondern nur, dass du heute nicht in Form bist, oder?
Das ist so eine Art geheimer Code: Alle wissen, was du meinst, aber niemand spricht es direkt aus. Lass uns also anschauen, wie wir ohne Scham und ohne Umschweife über Menstruation sprechen können.
Warum ist Menstruation ein Tabu?
Fangen wir ganz von vorn an: In alten Glaubensvorstellungen galt Blut als unrein. Je nachdem, wo eine menstruierende Person geboren wurde, war sie unterschiedlichen Formen der Stigmatisierung ausgesetzt.
Manche Menstruierende wurden während ihrer Periode in separate Räume verbannt, um die Gemeinschaft vor „negativen Energien“ zu schützen. Anderen war es verboten, an religiösen Ritualen teilzunehmen, damit diese nicht an Kraft verlieren oder kein Unglück heraufbeschworen wird. Wieder anderen wurde untersagt, Lebensmittel zu berühren, aus Angst, diese könnten verderben. Es gab sogar Vorstellungen, dass menstruierende Frauen nicht auf Feldern arbeiten sollten, weil Getreide und Gemüse in ihrer Nähe verderben würden.
Und das sind noch einige der harmlosen Aberglauben. In manchen Gemeinschaften glaubte man sogar, der Kontakt eines Mannes mit Menstruationsblut könne tödlich enden.
Heute glaubt (hoffentlich) niemand mehr, dass Menstruationsblut Ernten zerstört oder religiöse Rituale schwächt. Trotzdem sitzt die Scham tief. Viele von uns tun sich immer noch schwer, Wörter wie „Periode“ oder „Menstruation“ auszusprechen. Stattdessen greifen wir zu Umschreibungen wie „Frauentage“. Wir trauen uns nicht, um Hilfe zu bitten, wenn wir starke Schmerzen haben, aus Angst, wieder zu hören, dass das eben „zum Frausein dazugehört“.
Dazu kommt ein Mangel an medizinischem Wissen und Aufklärung, der die Angst zusätzlich verstärkt. Es gibt immer noch Menschen, die bei ihrer ersten Menstruation denken, dass etwas Schlimmes passiert oder ihr Leben sich „dramatisch verändert“.
Worte haben Macht: Warum wir endlich aufhören müssen, uns zu schämen?
Scham loslassen: offen über die Periode sprechen
Das bedeutet natürlich nicht, dass du dich mitten auf einen Platz stellen und laut rufen musst, dass du gerade blutest. Aber als Gesellschaft müssen wir anerkennen, dass Menstruation eine natürliche Körperfunktion ist – so selbstverständlich wie Atmen. Und genau so selbstverständlich dürfen wir darüber sprechen.
Stell dir vor, es wäre peinlich, über Atmen zu reden. Klingt absurd, oder? Warum also sollte es peinlich sein, über Menstruation zu sprechen?
Wenn du das nächste Mal über deine Periode sprichst, versuche bewusst, Wörter wie „Periode“ oder „Menstruation“ zu benutzen. Je öfter du sie aussprichst, desto normaler fühlen sie sich an. Mit jeder Wiederholung wird es leichter, offen und klar zu sagen, wie es dir geht.
Let’s talk about Sex: Wie sagst du es deinem Partner?
Wenn du eine Partnerin hast, ist es oft leichter, weil sie ähnliche Erfahrungen kennt. Trotzdem bleibt es wichtig, klar zu sagen, wie du dich während deiner Periode fühlst und welche Unterstützung dir guttut.